Wolfgang Balzer – Künstler und Förderer der Palliativstation

Wenn auch Sie die Arbeit der Palliativstation unterstützen möchten, können Sie hier spenden.

Herr Balzer, welche Verbindung haben Sie zur Palliativstation Nördlingen und zum Förderverein?

Ich bin vergangenes Jahr gefragt worden, ob ich anlässlich des 15-jährigen Jubiläums den Flur der Station mit Gemälden neugestalten könnte. Denn es war bekannt, dass ich künstlerisch tätig bin, und ich habe sehr gerne zugesagt. Im Zuge meiner Vorbereitung durfte ich die Station etwas kennen lernen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie ich die Gemälde gestalten könnte. Dabei sind mir die Station und ihreMitarbeiter ans Herz gewachsen: Die vielfältige und sehr patientenorientierte Arbeit, die dort geleistet wird, hat es mir wirklich angetan. Deswegen bin ich dem Förderverein beigetreten, ich unterstütze also zum einen finanziell, zum anderen möchte ich der Station auch mit künstlerischen Beiträgen verbunden bleiben.

Insgesamt neun Gemälde haben Sie für die Palliativstation gestaltet. Bekommen Sie Rückmeldungen dazu?

Direkte Rückmeldungen von Patienten oder Besuchern bekommen ich selten. Aber über Umwege oder über Mitarbeiter der Station höre ich, dass die Bilder auf Interesse stoßen, vor allem im Zusammenspiel mit den Texten, die bei jedem Bild stehen und es zusätzlich beschreiben. Allerdingshaben Angehörige und Patienten in der Regel andere Probleme, als sich in Ruhe vor Gemälde zu stellen und sie zu betrachten. Aber ein Bruchteil reicht doch schon! Und vor allem ist schon viel gewonnen, finde ich, wenn sieAtmosphäre schaffen, auch ohne sie bewusst zu betrachten.

Können Sie eines der Bilder und den dahinterstehenden Gedanken schildern?

Das ist wirklich schwierig. Die Bilder sind sehr vielfältig, sowohl farblich als auch die Motive. Es sind auf jeden Fall immer Gemälde, auf denen etwas erkennbar ist, also nichts völlig Abstraktes. Allerdings sind die Motive andererseits auch „unrealistisch“: Eines der Bilder zeigt beispielsweise eine Tänzerin in einer Seifenblase. Das drückt für mich aus, dass ein Mensch, der sich in seiner eigenen Blase bewegt, der also beispielsweise nicht mehr kommunizieren kann, durchaus in sich selbst auch fröhlich sein kann.

Was hat zur Inspiration der Gemälde beigetragen?

Dabei hat mir eine Mitarbeiterin der Station sehr geholfen. Ich habe sie gefragt, wie sie die Station in Stichworten beschreiben würde. Als Antworten nannte sie beispielsweise „Ruhe“, „Stille“, „Umarmung“, „Verarbeitung“. Von diesen Begriffen habe ich acht ausgewählt und die Bilder dazu gestaltet. Als sie fertig gestellt waren, habe ich dieMitarbeiterin gebeten, die einzelnen Bildern den Schlagworten zu zuordnen. Und tatsächlich hat sie fast alle Begriffe genau zu den Bildern sortiert, die ich dabei im Sinn hatte! Das hat mich wahnsinnig gefreut. Denn in dem Moment war für mich klar: Die Bilder sind richtig, die Motive sind richtig, und sie passen auf die Station. Zusammen mit den dann noch hinzugefügten kurzen Texten, die übrigens nicht von mir stammen, bekommen sie zudem eine ganz besondereemotionale Bedeutung: Wenn Betrachter lesen, dass das Bild beispielsweise „Ankommen“ oder „Seele“ heißt, dann bekommen sie noch mal ein ganz anderes Gefühl dafür.

Wie bleiben Sie dem Förderverein und der Palliativstation weiterhin verbunden?

Beispielsweise wurde ich im Vorfeld des Tages der offenen Tür am 4. Mai gebeten, einen kreativen Tisch zu gestalten. Das habe ich gerne zugesagt und mir Gedanken dazu gemacht. Letztlich entstanden ist die Idee der „Palliativ-Koralle“, einemKunstprojekt zum Mitmachen: Jeder Besucher konnte am Tag der offenen Tür Draht und bunte Perlen so verflechten und andocken, dass die Koralle gewachsen ist. Wichtig ist mir dabei der Gedanke, dass nicht nur Besucher mitwirken, sondern im Weiteren auch Angehörige, Patienten und auf der Station tätige Pflegekräfte, Ärzte und Therapeuten. Denngenau das ist das Wertvolle an der Palliativstation Nördlingen: das Ineinandergreifen von so vielen verschiedenen Beteiligten.Dafür steht die Palliativ-Koralle jetzt im Wohnzimmer der Station und lädt dort dazu ein, weiter an ihr zu bauen: Jeder darf andocken, wo er mag, jeder auf seine Art und Weise. Manche stabil, manche luftig, leicht, hängend. Es gibt kein richtig oder falsch und ich hätte nie gedacht, dass sie mittlerweile solch eine Form angenommen hat.